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Ich kann nicht sagen, warum ich viel von Christiane Arp halte. Ich finde sie sympatisch und sie macht einen guten Job als Vogue Chefredakteurin – sofern man als Vogue-Chefredakteurin überhaupt einen guten Job machen kann. Möglicherweise ist es ihre nordische Kühle, die mir ein wenig entspricht und die ihr den Anschein einer stillen Beobachterin gibt, ganz anders, als z.B. eine Annette Weber, die immer ein wenig bemüht daherkommt. Was aber aktuell beim Vogue Videokanal der Website passiert, kann meine Zustimmung nicht ganz finden. Denn es scheint, als habe sich die Redaktion für die aktuelle Berliner Modewoche etwas ganz besonderes ausgedacht…
Der einigermaßen neue Webauftritt des österreichischen Magazins Diva (Screenshot)
Vor einem halben Jahr schrieb ich über das modische Onlinegetrümmer des österreichischen Modemagazins Diva, ab jetzt darf ich eigentlich nicht mehr meckern: denn mittlerweile gibt es eine gemeinsame Webpräsenz der Magazine Wienerin, Miss, Compliment und Diva. Die wohnen alle unter dem Dach der Magazingruppe Styria Multi Media und sind jetzt also unter dem Motto “4 Marken, 4 Frauentypen, eine Zielgruppe, ein Portal” unter typischich.at online einlesbar. So wirklich überzeugt bin ich vom Endprodukt trotzdem nicht. Visuell wenig ansprechend und austauschbar wirkt das alles. Schade eigentlich, wenn ein Neubeginn im Netz so wenig konsequent durchgeführt wird.
Und einmal mehr wurde sie zusammengetrommelt, eine Auswahl der Crème de la Crème der internationalen FÄSCHN-Blogger. Aktuell in Mailand am Stand von Harmont & Blaine.
Jean-Christophe Ammann spricht mit der NZZ über die Poesie der Kunst. An einer Stelle spricht er auch über die Recherche…
Wenn ich eine Ausstellung vorbereite, dann gehe ich zu den Künstlern und verbringe relativ viel Zeit mit ihnen. Ich muss sehen können, wie es zu einem einzelnen Werk gekommen ist – ich muss den Weg verfolgen können. Andere Kuratoren sammeln ihre Information via Internet – und suchen nach Werken, die zu dem Thema passen, das sie mit ihren Ausstellungen darstellen möchten. Die Virtualität hat da mehr und mehr den Vorrang vor der Realität.
…ich frage mich nur, wieso das eine das andere ausschließt. Erst die Virtualität, dann die Realität oder wo findet Herr Ammann seine Künstler, im Künstlercafé am Montmartre?
„Qualitätsjournalismus hat im Internet-Zeitalter nur eine Zukunft, wenn er Haltung und Meinung besitzt…“ sagt Alexander Görlach. Die Maiausgabe der Quality gibt dem Herausgeber und Chefredakteur des relativ neuen Online-Debattenprogramms The European den Raum, auf zwei Seiten das offen auszusprechen, was traditionelle Publizisten allenfalls ahnen und seltenst sich trauen auszusprechen.
Na wenn da das Internet nicht auch eine wesentliche Rolle spielt, bei der Ausbreitung der Modewochen. Untersuchen müsste man mal die Ähnlichkeiten zur Entwicklung von Kunstbiennalen…
Besondere Feinfühligkeit im Umgang mit seinem neu entdeckten Lieblingsspielzeug, dem Fashion Film, hat Karl Lagerfeld bisher nicht bewiesen. Das neue Filmchen wird daran nix ändern. Dank dünner Story, flachen Dialogen, glotzenden Touristen im Hintergrund, breitgetretenen Klischees und mangelnder Schauspielbegabung von Models und anderen könnte der einzige Reiz dann in den hübsch angezogenen Damen selbst liegen. Auch wenn der Großteil sicher mit standesgemäßen Tweedjäckchen und zeitgemäßen Pelzmonstern aufwartet ist offensichtlich auch in Paris nicht mehr alles Chanel was glänzt. Ein Model taucht in American Apparel Bodysuit auf, ein anderes in transparentem American Apparell Kleid… Naja.
In einem sehr ausführlichen Interview mit der Textilwirtschaft wurde mir soeben die Frage gestellt, wohin sich das Modebloggen entwickelt. Ich habe da natürlich keine Antwort und kann nur Hoffnungen formulieren. Ein Blick in die USA hilft eventuell und so kam mir der aktuelle Artikel “New Technologies of Style and Selfhood” auf Threadbared sehr entgegen, aus dem ich hier nur kurz zum Thema zitieren möchte. Es geht im Zitat um Blair Fowler, eine 17 jährige “haul vloggerin” aus den USA. Wer mit dem Begriff “haul” nun nichts anfangen kann, dem sei gesagt, dass auch ich erst vor kurzem überrascht über diesen Begriff stolperte. “Haul” bezeichnet das Berichten über Shoppingtrophäen in Videos. Ich persönlich kann nicht mehr als 20 Sekunden dieser seichten Labereien schauen, das scheint aber durchaus eher selten zu sein, denn Blair Fowlers Videos verzeichnen durchschnittlich 300.000 Views.
Child entrepreneurs like Fowler (she’s an older teenager but she also has a 7 year-old sister who’s vlogging) is suggestive of the ways in which Web 2.0 technologies are dissolving the boundaries between labor and play, is reliant on child labor, and is capitalizing free and democratic spaces – (…) Fowler’s devotion to vlogging led her to quit attending regular classes at her high school (she’s now home-schooled) to focus on shopping (…)
Es ist natürlich etwas überraschend Begriffe wie “child entrepeneurs” oder “child labor” in diesem Zusammenhang zu lesen, aber sie zielen nicht in eine falsche Richtung, so meine ich. Besonderes Augenmerk verdient dieses Phänomen aufgrund der massiven Aufmerksamkeit, die es generiert. Blair Fowlers inhaltsloses Geseier hat Millionen Fans. Und wenn dahin die Reise geht, möchte ich vorher gern aussteigen.