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Unterwegs mit Christiane Arp | modebeitrag.de

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Unterwegs mit Christiane Arp

10 Juli 2010 // Filed under Internet + TV + Video

Ich kann nicht sagen, warum ich viel von Christiane Arp halte. Ich finde sie sympatisch und sie macht einen guten Job als Vogue Chefredakteurin – sofern man als Vogue-Chefredakteurin überhaupt einen guten Job machen kann. Möglicherweise ist es ihre nordische Kühle, die mir ein wenig entspricht und die ihr den Anschein einer stillen Beobachterin gibt, ganz anders, als z.B. eine Annette Weber, die immer ein wenig bemüht daherkommt. Was aber aktuell beim Vogue Videokanal der Website passiert, kann meine Zustimmung nicht ganz finden. Denn es scheint, als habe sich die Redaktion für die aktuelle Berliner Modewoche etwas ganz besonderes ausgedacht…

Frau Arp wurde “rund um die Uhr” begleitet von einem Kamerateam auf “einem der wichtigsten Modeevents, der Berlin Fashionweek”. Die Reise beginnt am Flughafen Tegel, wo die Chefredakteurin von Welt aus Paris ankommt  und scheinbar ganz nebenbei werden dem Betrachter auf der nun folgenden Vogue-Butterfahrt statt Heizdecken die namhaftesten Adressen der Stadt untergejubelt. Es geht um Supergesichtsbehandlungen bei irgendwelchen Superkosmetikern – “Geheimtip zum Thema Beautybehandlung”  übrigens werden dort auch Angelina Jolie, Natalie Portman und Brad Pitt behandelt, wie man im Beitrag erfährt! – die einem ganz nebenbei die tollsten Behandlungsmethoden: Collagenmasken, die man auf die Haut kleben kann, ein Kick an Feuchtigkeit und hautstraffend! – Gut.

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Weiter im Text… Station 2: Das Hotel im SOHO House. Maske, Besprechung und Interview mit Arte. Station 3: Ein Modefachgeschäft… Der Geschäftsführer, der Christiane Arp schon lange kennt, über die Chefredakteurin: “Eine ausgezeichnete Stilistin”, “ein großes Gespür für Mode und Lifestyle”… 2:40 Die ersten Wort von Christiane Arp selbst gesprochen: “Der Austausch mit dem Handel ist sehr wichtig”… Nächste Station: Calvin Klein. Diane Kruger lobt Frau Arp in den höchsten Tönen: “Es gibt selten Menschen, die so viel Talent haben und trotzdem noch so natürlich und nett sind”. Der Tag klingt aus – bis in die frühen Morgenstunden – bei der Vogue Fashion Night, diese findet im Borchardt statt, das nicht weiter namentlich erwähnt wird… Nun gut. Man kann sich das so anschauen, es so hinnehmen, den säuerlichen Beigeschmack runterschlucken… Das Gefühl aber, dass das irgendwie hätte besser sein könne, bleibt.

Schauen wir einmal, wie es die anderen machen. Das New York Magazine lässt eines seiner Reporterinnen die Chefredakteurin der Japanischen Vogue in ihrem Hotelzimmer in New York besuchen. Anne Dello Russo ist bekannt für ihre exzentrischen Bekleidungsvorlieben. Thema: Wie packt die Grande Dame ihren Koffer? Das ist irgendwie spannend, angesichts der extravaganten Roben. Da wird eine Antwort auf eine Frage gegeben, die man sich möglicherweise einmal gestellt hat. Dello Russo plaudert fröhlich, zeigt ihren prall gefüllten Hotelzimmerkleiderschrank, die Kamera wackelt ein bisschen…

“The September Issue” gewährt Einblicke in den Arbeitsalltag von Anna Wintour, Chefin der Amerikanischen Vogue.

Carine Roitfeld öffnet die Türen zu ihrer Redaktion:

Das kann man inhaltlich finden wie man mag. Spaß zu gucken macht es allerdings schon. Die Menschen sind irgendwie interessant, man will wissen, was sie erleben, was sie denken, wie es weitergeht.

Das was diese Beiträge an unterhaltender Dokumentation haben, wird im Vogue Beitrag der Produktionsfirma Kraftstoff Media zu einer verdammt drögen Berichterstattung, deren Thema beliebig austauschbar ist und plötzlich spielt es keine Rolle mehr, ob über Christiane Arp Deutschlands so called Modefrau #01 oder Christian Wullf  Deutschlands Modemann #0 gesprochen wird. *gähn* Den Werbefilmcharakter hätte der Beitrag verlieren können, wenn Frau Arp vielleicht ihre ganz persönlichen Tips gegeben hätte, erklärt hätte, warum sie so gerne zu diesem Kosmetiker hingeht und warum sie gerne in ausgerechnet diesem Hotel schläft, warum The Corner und das Quartier 210 so wichtig sind für ihre Recherche… Von ihrem vielgepriesenen Stilbewusstsein spürt man in dem Beitrag leider nichts.

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Tag 2 wird nicht besser. Der Tag beginnt auf einer Show, dann geht es zu einer Präsentation, dann wieder eine Show, dann eine Shoperöffnung. Ein bisschen Interview im Auto, dann die Ausstellung von Frida Kahlo im Gropiusbaus “Frida Kahlo hat die Mode nachweißlich beeinflusst…” die Begründung für den Besuch, bzw. als Begründung dafür, den Besuch in dem Beitrag unterzubringen – als Auflockerung sozusagen… muss ja nicht immer um Mode gehen, gibt es ja eh nichts zu zu sagen – “Nach dieser kulturellen Inspiration eilt man dann in die Show von Rena Lange” – der Sprecher… Stop!

Was ist das Problem? Ich fühle mich verarscht und ich bin erneut erschrocken darüber, was von der Vogue Leserin, bzw. Zuschauerin erwartet/gehalten wird. Nicht viel anscheinend. Nichts erfährt man in den Beiträgen, nichts wirkliches (außer dass sie sehr nett ist und klug und fähig, wohl) über die Person Chritiane Arp, nichts über die Mode, nichts über ihre Art zu Arbeiten. Wie destilliert sie dann jetzt die “Trends” aus dem Gesehenen, wie schafft es ein Designer vom Laufsteg in ihr Heft und wie sind die Arbeitsprozesse? Immer dann, wenn man den Eindruck hat, dass es interessant sein könnte, bricht das Video ab und es geht weiter zu irgendeinem Event, eine langweilende Aneinanderreihung des Berliner Schauenplans.

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Sicher mag man argumentieren, dass nicht jede Frau in Deutschland so gepolt/interessiert/informiert ist, wie der durchschnittliche Modeblogleser und sich vielleicht gerade jene freuen mögen über eine Beitragsreihe, die einen internetaffinen Zuschauer vielleicht vor fünf Jahren hinter dem Ofen hervorgelockt haben mag: Konservativ und zu wenig experiemtierfreudig! Eine zu überwindende Grätsche, die liegt zwischen dem etablierten Modekonsumenten und einer neuer Generation, die andere Sehgewohnheiten entwickeln konnte.

Doch warum ist die amerikanische oder die französische Vogueleserin eine andere als die deutsche? Und ist sie das tatsächlich? Wohl hier liegt des Pudels Kern begraben und die Erklärung dafür, warum eine Imagefilmproduktionsfirma beauftrag wurde, eine, die sonst Kunden wie Aventis, VDI (Verein deutscher Ingenieure), Audi, Siemens und BMG bedient. Als Vorstoß in die internationale, ungeschriebene Standards gewöhnte Internetwelt der Mode ein noch zu ergründender Fail. Am Ende hat sich möglicherweise einfach niemand so wirklich Gedanken gemacht und einfach die Firma beauftrag, die man schon immer beauftragt hat. Was jetzt aber schlimmer ist, der faule Kompromiss oder die Ignoranz…

Auf YouTube schreibt jedenfalls ein Kommentator “interessantes Video! Soetwas müsste man mal mit berühmten Designer machen ;)”… Ist das wirklich die Klientel, die die deutsche Vogue erreichen möchte? Lieber Kommentator ich verweise Dich auf so großartige Dokumentationen über (berühmte) Designer wie die von Wim Wenders zu Yohji Yamamoto, die von Loic Prigent zu Marc Jacobs oder die von Rodolphe Marconi zu Karl Lagerfeld.

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2010-07-10  ::  mahret

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Talkback x 8

  1. H-C
    11 Juli 2010 @ 09:24

    Es ist unglaublich, was einem da an Oberflächlichkeit, Leidenschaftslosigkeit und Dummheit geboten wird. Keine konkreten Informationen, keine Hintergründe, keine wirkliche Auseinandersetzung. Auch die Kommentare von Vogue-Radakteurinnen in den einzelnen Videos zu den Schauen sind an Belanglosigkeit kaum zu überbieten. Haben die alle nichts mehr im Kopf vom vielen PR-Champagner kippen?

  2. Julia
    11 Juli 2010 @ 23:11

    Vergeudete Liebesmühe gerade bei der deutschen VOGUE. PR-getrieben und langweilig. Wenn sich da nichts tut, auch hinsichtlich des Bloggens, das man ja nun ebenfalls eingeführt hat (ich schrieb darüber erst), dann wird es das große Magazin schwer haben, sich außerhalb der Handtaschen schnieker Damen zu etablieren, die sowieso nicht lesen, sondern nur Bilder gucken.

  3. Nicole
    12 Juli 2010 @ 17:10

    Tag 1 erinnert so sehr an Dauerwerbesendung oder Home-Shopping-Fernsehen, dass ich mir die übrigen Filme gespart habe. Ich habe mehr erwartet, etwas im Stil der Wintour oder Roitfeld Doku, die ich beide gerne angeschaut habe.

  4. jessie
    13 Juli 2010 @ 09:49

    So, jetzt hab ichs mir mal angesehen. Kritik völlig berechtigt bei den ersten Episoden, Tag 3 und Tag 4 scheint aber so, als habe man sich diesen Artikel durchgelesen und aus Fehlern gelernt.

  5. Sarah
    14 Juli 2010 @ 05:47

    Toller Artikel mit berechtigter Kritik!

  6. Laura
    15 Juli 2010 @ 09:42

    Interessante, gute Zusammenfassung – und berechtigte Kritik.

  7. kathrin
    4 September 2010 @ 08:14

    Den Film von Rodolphe Marconi finde ich auch nicht so toll (im Vegleich zu dem Valentino-Film von Matt Tyrnauer) Da haben sich ja die Regisseure dazu entschieden den Film zu machen und nicht die Designer oder Redakteure. Irgendwie peinlich, wenn man sich vorstellt, dass die Deutschen dann sagen, ich will auch so einen Film und den kaufe ich mir dann.

  8. Maxine Reger
    20 Oktober 2010 @ 07:25

    @ H-C: Da hast du völlig recht. Aber die reden ja belangloses Zeug, damit sie NOCH MEHR PR-Champagner eingefüllt kriegen.