Warning: Illegal string offset 'link_target' in /www/htdocs/w00bab64/modebeitrag/wp-content/plugins/better-rss-widget/better-rss-widget.php on line 65
Das Ende des Qualitätsjournalismus | modebeitrag.de

RSS Feed   RSS

Content

Das Ende des Qualitätsjournalismus

29 Mai 2010 // Filed under Kritik + Zeitung

Foto am 29-05-2010 um 21.10

„Qualitätsjournalismus hat im Internet-Zeitalter nur eine Zukunft, wenn er Haltung und Meinung besitzt…“ sagt Alexander Görlach. Die Maiausgabe der Quality gibt dem Herausgeber und Chefredakteur des relativ neuen Online-Debattenprogramms The European den Raum, auf zwei Seiten das offen auszusprechen, was traditionelle Publizisten allenfalls ahnen und seltenst sich trauen auszusprechen.

Am Ende ist er endgültig, der Qualitätsjournalismus, „die Neutralität der Nachrichtensprache“. Was aber wird kommen? „Die Meinung“, so Görlach. „Die Nachricht ist kein Geschäftsmodell mehr, aber ihre Deutung. (…) In der Nische entsteht das Neue. Der Sieger ist der freche, pointierte wohlbegründete Meinungsjournalismus“, der täglich geübt wird – so mag ich meinen – im Web2.0.

In diesem Zusammenhang fällt mir der Artikel von Claudius Seidel ein, Die Verniedlichung der Welt, in dem der FAS Redakteur Im Rahmen der Henri Nannen Preisverleihung im Feuilleton eben dieser Zeitung am 09. dieses Monats gegen die Reportage als journalistische Ausdrucksform wettert. Stefan Lebert fasst das eine Woche später in seiner Gegendarstellung des Seidel’schen Textes sehr treffend zusammen: So spüre man beispielsweise viel zu häufig den Willen der Autoren, Literatur zu produzieren. Ein schöner Satz nach dem anderen werde geschrieben, und dabei werde vergessen, dass dies nicht die Aufgabe eines Reporters ist. Die Aufgabe eines Reporters sei das Finden einer Geschichte und das Finden der geeigneten Sprache, um diese Geschichte zu erzählen.

Es brodelt in der journalistischen Küche. Eine Meinung habe ich bereits im Dezember verfasst, im European (zum Thema Magermodels) mit dem Glauben an die Zukunft des subjektiven Meinungsjournalismus. Und da passt sie eben auch, beim Meinungsjournalismus, die Definition der Reportage Victor Hugos, die Lebert in seinem Text anbringt: „Die Wirklichkeit, erlebt durch ein Temperament“. Was kommt als nächstes im Zuge der großen netzverursachten Genreumwälzungen? Die offizielle Wiedergeburt der personenbezogenen Kolumne? Erste Anzeichen dafür gibt es. Es bleibt jedenfalls spannend…

2010-05-29  ::  mahret

Talkback

  1. Chris
    30 Mai 2010 @ 15:47

    Also das Erleben der Wirklichkeit geschieht sowieso immer nur subjektiv und das vor allem durch Medien, sozusagen als verlängerte Sinnesorgane. Für den einen mag die Wirklichkeit sicher und schön sein, für den anderen wiederum hässlich und gefährlich, je nachdem wie sich ihm die Wirklichkleit bzw. Welt durch die Massenmedien präsentiert. Da nun scheinbar der Web 2.0 Journalismus gegenüber dem klassischen Journalismus ganz offensichtlich an Bedeutung gewinnt, müssen sich auch die Online agierenden Journalisten bzw. die hier angesprochenen Meinungsjournalisten, das heißt in erster Linie wohl Blogger, sich ihrer wachsenden Verantwortung bewusst werden. Gilt doch der Journalismus seit jeher als die 4. Gewalt im Staat.
    Bloggen ist per se das ultimative Werkzeug der Meinungsfreiheit. Denn bekanntlich hat ja jeder eine Meinung und kann sie Dank Web 2.0 auch in nullkommanix in die Welt rausposaunen. Die Unmittelbarkeit und allgemeine Verfügbarkeit des Web 2.0 birgt aber auch das Risiko von voreiliger und unreflektierter Meinungsbildung. Meinungen sind einfach zu statisch um einen Diskurs auszulösen, weil sie auf bestimmten persönlichen Wertvorstellungen und Normen basieren, die für den Meinungsgeber in Frage zu stellen problematisch sein kann. Die Meinung, wie blödsinnig sie auch sein mag, wird dann stur verteidigt, weil eine Änderung dann auch schnell mal am Stolz und der Glaubwürdigkeit kratzen würde.
    Der klassische textlastige Journalismus hat im Web ebenso keine Chance, weil er vorraussetzt, dass wir uns intensiv mit einem Thema auseinandersetzen. Aber in der allgemeinen Kakophonie der Blogs fällt das unglaublich schwer. Der Feedreader ist vollgestopft mit hunderten Blogs, mit Einträgen, die über einen Dreizeiler plus geborgten Fotos nicht hinausgehen und alles davon stellt eine Meinung dar. Aber die Meinungen die Wirklich zählen, die gehen unter. Uns bleibt nichts anderes übrig als auf die knapp gehaltenen Artikel genauso knapp zu antworten: per like button, oder halt nicht.