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“Ich habe noch ein paar Ideen” | modebeitrag.de

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“Ich habe noch ein paar Ideen”

17 Januar 2010 // Filed under Allgemein

Bild 106

Amüsiert habe ich gestern die kurze Doku “Fendi… Vor der Show” von Loïc Prigent auf Arte+7 gesehen, in der ein kleines Team Karl Lagerfeld und seine Anhänger bei den Vorbereitungen für die Show von Fendi verfolgt. Besonders blieb mir ein Satz im Gedächtnis, den Lagerfeld sprach, als er den Chef des Pelz-Ateliers anwies, das fluffige Fell am Saum eines Mantels kurz zu scheren. Der Satz fiel als Begründung für die Änderung: “Das ist nicht mehr modern, das trägt heute keiner mehr.” Er passt natürlich ins Repertoire von “König Karl”, der neben seinen großartigen Entwürfe auch für seine disziplinierte und schnelle Arbeitsweise bekannt ist, dabei gern auch mit großspurigen Tönen auffällt. Was Karl sagt, gilt.

Jungen Modeinteressierten fällt sofort die Antiquiertheit des Satzes auf, denn seit einigen Jahren leben wir in einem Zustand des “Anything goes”. Zig Trends, Retromanien und Silhouetten finden gleichzeitig statt. Derzeit kleiden wir uns gemäß der 91-94er, mischen das aber mit Blockabsätzen aus den 72ern und den Frisuren der 69er, drüber kommt noch a weng Gothic und Dandy kann man sowieso immer sein. Da sehnt man sich fast zurück in die Zeit als Macher wie Karl Lagerfeld oder Christian Dior den “Look” der kommenden Saison bestimmten und dieser dann von den Laufstegen, durch die Magazine und Boutiquen in die Massenkaufhallen und schlussendlich auf die Straße blubberte, während in Paris schon wieder etwas ganz anderes en vogue war. Wenn es erstmal beim Plebs angekommen war, trug es wirklich keiner mehr. Denn “keiner” bezieht sich durchaus nur auf die Gruppe der Eingeweihten, auf die, die “Ahnung haben von Mode“. So undefiniert diese Ahnung auch sein mag, stellt sie doch ein wichtiges Unterscheidungskriterium zu denen dar, die nur amateurhaft mit der Mode herumfurwercken und die alten Trends abtragen, wenn endlich Karstadt sie anbietet.
So ist es allerdings nicht mehr. Die Online Medien haben einer Beschleunigung der Mode den letzten Schubs gegeben, der schon von iD und vor allem dem allgegenwärtigen Trendscouting Anfang der 1990er angetreten wurde. Die Gruppe derer, die relevant sind für die Beurteilung, dass es “keiner mehr trägt”, die also Trends setzen, anstatt sie zu verfolgen, ist heute größer, bzw. sichtbarer denn je. (Ich führe das hier nicht weiter aus, da das an anderer Stelle schon zuhauf getan wurde… siehe z.B. die Bedeutung von Blogs.)

Es funktioniert heute immer noch, wenn Karl sagt, “das ist nicht mehr modern”. Denn wie Anna Wintour, regiert er sein Reich als Despot. Es gibt keine Kooperation, erst Recht nicht zu reden von Meinungsverschiedenheiten oder Kompromissen. Es zählt, was Karl sagt. Sein Gefolge ist einzig dafür da, seine Vision umzusetzen und wuselt bei der Audienz umtriebig durch das Atelier um vielleicht noch die ein oder andere Kreation zu seinem Gefallen zu ändern. Und zwar ohne nach Begründung oder Machbarkeit, gar Effektivität zu fragen. Ihm gesteht man diesen Luxus als künstlerische Freiheit zu. Auch wenn dafür mehrere Millionen Euro an Stoffen, Pelz und Arbeitszeit regelmäßig in den Mülleimer wandern. Seine Arbeitsweise ist gerechtfertigt durch das Gesamtkunstwerk, das uns am Ende an riesigen Elfen auf dem schmalen Laufsteg entgegen wankt.

Das dieses Werk wenige Monate später durch die nachfolgende Kollektion schon wieder verdrängt und damit obsolet wird, interessiert keinen. Nur die Schneiderinnen wiederholen regelmäßig, dass es sich eben seit Jahren so zutrage.
Am Ende ist Karl einer der “alten Schule”, der nicht wie Christopher Baily die Burberry Fittings über Skype erledigt um Flüge zu vermeiden, sondern auf seine Methode besteht. Und genau für diese strenge Konsequenz wird er zu Recht bewundert. Allerdings ist er, wie Anna Wintour, wahrscheinlich einer der letzten seiner Art.

Bild: Still aus “Fendi… Vor der Show” von Loïc Prigent

2010-01-17  ::  mary

Talkback x 3

  1. Tweets die “Ich habe noch ein paar Ideen” | modebeitrag.de erwähnt -- Topsy.com
    17 Januar 2010 @ 13:16

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von mahret, hero in chiq erwähnt. hero in chiq sagte: RT @rettchen “Ich habe noch ein paar Ideen” http://bit.ly/59tgYg hab ich auch gesehn #nice [...]

  2. blica
    17 Januar 2010 @ 19:00

    ja, ja, der king karl. gerade im bereich der mode scheint das prinzip des genius ja auch fernab des karl lagerfeldschen hofstabs noch immer weit verbreitet. und auch da, wo offensiv mit zahlreichen weißen kitteln herumhantiert wird, wird dann doch das verschwinden martin margielas betrauert. ich vermute nämlich irgendwie: auch dort, wo es auf den ersten blick moderner zugeht als bei karl, verstecken sich noch ähnliche denkmuster. aber das ist so mehr ein gefühl…

  3. Leonhard
    24 Januar 2010 @ 14:38

    “Anything goes” spricht mir aus kopf und herzen. und ja, heute kann man die eigenschaften, welche man früher nur einigen “wichtigen” idolen zugeschrieben hat, auf jeden projizieren